Cäcilienmesse

Traunsteiner Tagblatt vom 15.6.2016

Die Cäcilienmesse als musikalisches Erlebnis mit fast 90 Mitwirkenden in Traunreut

Ein mächtiger Lobpreis Gottes

Ein mächtiger Lobpreis Gottes – das ist die »Messe solennelle en l’honneur de Sainte-Cécile« in G-Dur, im Deutschen meist kurz »Cäcilienmesse« genannt, ganz ohne Zweifel. Der Komponist Charles Gounod (1818-1893) war ein sehr frommer Mann, die Messe ist ein überzeugender Beweis seines Glaubens und seiner Frömmigkeit – und die Sänger und Musiker, die sie in der katholischen Erlöserkirche in Traunreut darboten, haben das überzeugend vermittelt.

Mit einer gewaltigen Gemeinschaftsleistung ließen die Sänger und Musiker die Cäcilienmesse von Charles Gounod zu einem musikalischen Erlebnis werden. (Foto: Weitz)

Gounods mächtiges Glaubenszeugnis braucht auch einen mächtigen Klangkörper – und der wurde den Besuchern in der Kirche in der Tat geboten: Um die 35 Musiker, etwa 50 Sänger und drei Solisten lieferten unter der temperamentvollen Stabführung von Richard Kalahur ein gewaltiges Konzerterlebnis ab. Dafür sorgten die vereinigten Chöre aus Traunreut und Palling – Sängerchor und Kirchenchor – sowie das mit einigen weiteren Musikern verstärkte Ruperti-Orchester Traunreut. Die Solisten waren ebenfalls bekannte und bewährte Kräfte: Erika Peldzsus-Mohr aus Burghausen (Sopran), Christian Gerer aus Traunreut (Tenor) und Günther Stöckl aus Altenmarkt (Bass).

Ein ruhiger Auftakt zum ersten Teil der Messe

Ruhig und leise ist der Auftakt zum ersten Teil der Messe, dem Kyrie, in schlichten Melodien wird Gott um Gnade angefleht: »Herr, erbarme dich«. Diese Bitte wird in glockenhellen Tönen von der Sopranistin emporgehoben, die Männerstimmen fallen unterstützend ein. Das Kyrie findet nach diesem zwischenzeitlichen Crescendo wieder ein ruhiges Ende, die Intensität und Lautstärke der Töne vom Dirigenten mit Nachdruck geführt.

Eine ganz besondere Dramaturgie hat sich Gounod für das Gloria (»Ehre sei Gott in der Höhe«) einfallen lassen: Nach einem kurzen, melodiösen Horn-Solo ist es wieder die Sopranistin Erika Peldzsus-Mohr, die mit ihrem gleichsam engelgleich gesungenen »Gloria in excelsis deo« an den Chor der Engel bei der Krippe erinnert. Nach diesem gefühlvollen Eingangs-Szenario geht es aber im wahrsten Sinn des Wortes mit Pauken und Trompeten zu einem temperamentvollen, strahlenden Lob Gottes über. Solisten, Chor und Orchester vereinen sich da zu einem geballten Klangerlebnis.

Ähnlich dramaturgisch eindrucksvoll erklingt das Glaubensbekenntnis, das Credo. Chor und Orchester tragen die einzelnen Inhalte vor, kraftvoll und mit Nachdruck, Stimmen wie Instrumente werden nicht geschont. Dann aber wird die Musik auf ein Minimum reduziert, wenn die zentralen Glaubensinhalte an der Reihe sind: »Et incarnatus est« (»Und er ist Fleisch geworden«) wird von den Solisten sehr zurückhaltend gesungen und ebenso leise vom Chor begleitet wie auch das nachfolgende »Crucifixus est« (»Er ist gekreuzigt worden«). Als die Rede von der Auferstehung ist, setzen alle musikalischen Kräfte gemeinsam ein – mit allem, was zur Verfügung steht, einschließlich der dramatisch geschlagenen Pauken und Becken. Nach dem etwas zaghaften Einsatz der Männerstimmen bei der »Auferstehung der Toten« wird mit dem Amen von allen gemeinsam ein glorioser Schluss gesetzt.

Christian Gerer präsentiert sein Stimmvolumen

Beim »Sanctus«, einem der eindrucksvollsten Teile der Messe, hat Christian Gerer die Gelegenheit, sein Stimmvolumen zu präsentieren. Nach einem zurückhaltenden Beginn mit einem zarten Instrumenten-Einspiel steigert sich das »Sanctus« nach und nach zu einem gewaltigen Zusammenspiel aller, an dem sich sogar noch die Orgel beteiligt, gespielt vom Traunreuter Kirchenmusiker Franz Mitterreiter. Der Chor darf hier so richtig aus sich herausgehen und seine Klanggewalt zeigen.

Das zunächst zurückhaltende »Benedictus« mit schönem Sopran-Solo und ruhiger Chorbegleitung steigert sich zum Schluss in ein kräftiges »Hosanna in Excelsis«, ehe mit dem »Agnus Dei« die Messe zu Ende geht. Mit einer gewaltigen auf- und abschwellenden Schlusssequenz klingt die Messe aus.

Reicher Applaus lohnte den zahlreichen Mitwirkenden ihren Einsatz. Gesamtleiter Richard Kalahur hatte mit seiner intensiven Stabführung und seiner fast schon hypnotisierenden Gestik einen großen Anteil an der schönen Gesamtleistung. Eingeleitet war das Kirchenkonzert von Organist Mitterreiter worden, der das Publikum mit dem Präludium und Fuge in C-Dur von Johann Sebastian Bach vorab in die richtige festliche Stimmung für die nachfolgende Messe gebracht hatte.

Hans Eder

Quelle: Traunsteiner Tagblatt