Aus Oper und Konzert

Traunreuter Anzeiger vom 13.4.2016

Musik von Mozart bis Verdi im Traunreuter k1 – Bund Deutscher Liebhaberorchester ehrt den Dirigenten Richard Kalahur

Das Rupertiorchester bringt die Besucher ins Schwärmen


Die Traunreuter lieben Musik aus Oper und Operette. Das lässt sich unverkennbar an den guten Besucherzahlen erkennen, die fast immer genau dann zu verbuchen sind, wenn Musik aus diesem Genre im k1 auf dem Programm steht. Insbesondere aber, wenn das Ruperti-Orchester, im Jahr 1962 gegründet, seiner Heimatstadt die Ehre gibt, füllen sich die Reihen im k1-Saal mit altbekannten Gesichtern.

Das Ruperti-Orchester mit den Solisten Sieglinde Zehetbauer und Anton Klotzner versprühte mit seiner Musik beste Laune im k1-Saal. (Foto: Benekam) 

Seit 25 Jahren musiziert dieses aus ambitionierten Amateurmusikern zusammengesetzte Orchester unter der Leitung von Richard Kalahur und zieht bei seinen Konzerten drei- bis viermal im Jahr eine treue Zuhörerschaft an.

Immer wieder schön zu erleben sind die familiäre Gemeinschaft im Orchester, das Herzblut, mit dem die Musiker bei der Sache sind und die lächelnden Gesichter auf der Bühne und im Saal. Ganze 48 Musiker füllten, wie man aus dem ausgesprochen schön gestalteten, sehr informativen Programmheft entnehmen konnte, die k1-Bühne und mitreißende Werke bekannter Klassiker aus Oper und Konzert füllten den Saal mit klangvoller Musik. Wie jedes Jahr hat Richard Kalahur für den Gesangspart international erfolgreiche Solisten eingeladen. Mit Sieglinde Zehetbauer (Sopran) und Anton Klotzner (Tenor) hatte er einen sehr guten Griff gemacht. Ebenso überzeugend war die amüsante und informative Moderation von Matthias Hauer.

Die ersten vier gespielten Werke könnte man unter dem Titel »Mozart und die Liebe« zusammenfassen. Mit der Ouvertüre aus »Die Entführung aus dem Serail«, Mozarts erster großer Oper, war eine schöne Eröffnung gemacht. Beim folgenden Duett »La ci darem la mano« aus Don Giovanni kamen in passendem Kostüm die beiden Solisten zum Einsatz: in feinster Opernmanier kokettierte das Paar schon bevor Kalahur seinen Dirigentenstab erhob. Sie (Sieglinde Zehetbauer), divenhaft schön und voll ihre weiblichen Reize einsetzend, er (Anton Klotzner), in galanter Zugewandtheit und gewinnendem Charme. Ein durchwegs gelungener Auftritt und in harmonischer Begleitung des gut geführten Orchesters, ein echter Ohrenschmaus. Auch solistisch gefiel Zehetbauer im Anschluss in der Arie der Ilia aus der Oper Idomeneo, »Se il padre perdei« und zeigte sich in allen Tonlagen souverän.

Unter den Mozart-Lieblingsarien darf keinesfalls die Arie des Tamino aus der Zauberflöte fehlen. Anton Klotzner füllt alle Klischees eines großen Opernsängers aus: tolle Stimme, imposantes Äußeres, an Arroganz grenzende Bühnenpräsenz, ausdrucksstarke Mimik und Gestik. Das Ruperti-Orchester macht seine Arbeit zuverlässig und vorbildlich, muss sich hinter dem Opernstar in keinem Moment verstecken und hat offensichtlich größtes Vergnügen beim Musizieren.

Von Mozarts Liebesrausch verlagerte sich dann das Konzert in Richtung osteuropäischer Herzschmerz: Pjotr Iljitsch Tschaikowskys »Schwanensee«, viel gehört und immer geliebt, ist längst zur Hymne einer jeden Ballettkompanie geworden. Antonin Dvoraks »Mondlied« aus der Oper Rusalka in leidenschaftlichem Vortrag von Sieglinde Zehetbauer gefiel den Konzertbesuchern ebenso wie das folgende Duett »Mit der Mutter sank zu Grabe« aus Smetanas Oper »Die verkaufte Braut«. Die Lebensfreude versprühende Polka aus der gleichen Oper, lieferte den Zuhörern den nötigen Schwung, sich von den Plätzen zu erheben und sich in der Pause bei einem Gläschen auf den zweiten Konzertteil zu freuen.

Energiereich ging es dann mit Georges Bizets Ouvertüre zu »Carmen« weiter und wie Hauer überleitend moderierte, sei in den folgenden Werken das weibliche Geschlecht mit Frauenpower gut vertreten: mit »Quando m’en vo«, dem Auftrittslied der Musette aus »La Boheme« von Giacomo Puccini, will sie mit weiblicher List ihren Exfreund reizen. In der Arie »Una furtiva lacrima« des Nemorino aus »Der Liebestrank« von Gaetano Donizetti, schmachtet der Liebestolle vergeblich die schöne Adina an und aus dem Gefängnis der revolutionär gesinnte Cavaradossi seine geliebte Tosca aus der gleichnamigen Oper von Puccini.

Auch ohne stimmgewaltige Auftritte seitens der Gesangssolisten überzeugte das Orchester mit dem »Intermezzo sinfonico« aus »Cavalleria rusticana« von Pietro Mascagni oder dem populären britischen »March Nr. 1« aus den »Pomp and Circumstance Marches« von Edward Elgar, voll und ganz. Das Duett von Violetta und Alfredo aus der Oper »La Traviata« von Giuseppe Verdi brachte den k1-Saal noch einmal ins Schwärmen, bevor dann das Solistenpaar mit einem Glas Sekt in der Hand das letzte Lied anstimmte: das Trinklied aus Verdis »La Traviata«. Tosender Applaus und eine Zugabe für den glanzvollen Abend.

Beim Verbeugen glänzte an Richard Kalahurs Frack die goldene Nadel vom Bund Deutscher Liebhaberorchester, die ihm im Verlauf des Konzerts verliehen worden war. Ein viertel Jahrhundert Orchesterleitung! Vielleicht war er in seinem Dirigat auch deshalb in diesem Konzert so überaus energiereich, denn im Eifer des Gefechts rutschte ihm sein Dirigentenstab aus der Hand und landete unter dem Stuhl der ersten Geige. Für Kalahur kein Problem, das geht auch ohne. Aber ohne Musik geht es im Leben des passionierten Dirigenten scheinbar nicht.

Kirsten Benekam

Quelle: Traunsteiner Tagblatt