Peer Gynt

Traunsteiner Tagblatt vom 29.4.17

Das Ruperti-Orchester mit Hans-Bernhard Kesy und Thomas Hartmann machte Frühlingslaune im Traunreuter k1

Musikalische Glückspillen

Traumhaft schöne Werke dreier großer Komponisten in Kombination mit einer erfrischenden Lesung, bekamen die zahlreichen Zuhörer beim Konzert des Ruperti-Orchesters im k1-Saal in Traunreut zu hören. Richard Kalahur, der das aus ambitionierten Amateurmusikern bestehende Orchester seit über 25 Jahren mit viel Herzblut und großem Erfolg leitet, bewies einmal mehr großes Geschick in der abwechslungsreichen Ausgestaltung und Werkauswahl seiner Konzerte.


Das Ruperti-Orchester mit Thomas Hartmann bescherte im k1-Saal genussvolle musikalische Highlights. (Foto: Benekam)

Mit zwei Werken von Wolfgang Amadeus Mozart und der Großen Peer-Gynt-Suite von Edvard Grieg traf er voll und ganz den Geschmack der Traunreuter Konzertbesucher. Die Verbindung von Musik und Text in Griegs Orchestersuite entfaltete eine enorme Wirkung und potenzierte das Hörvergnügen: Das Ruperti-Orchester meisterte die anspruchsvolle Musikbearbeitung von Gerhard Buchner mit Bravour und spürbarer Musizierfreude. Hans-Bernhard Kesy verknüpfte die neun Sätze mit Texten (ebenfalls von Buchner) und machte mit allergrößtem Erzähl-Vergnügen und seiner sympathischen Vortragsweise Erwachsene zu Kindern.

Eröffnet wurde der Konzertabend mit der Ouvertüre zur Oper »Der Schauspieldirektor« (KV 486). Schelmisch, frech, fast ironisch kommt Mozarts 1786 in Wien uraufgeführtes Werk daher. Der Auftrag für diese Oper kam von Kaiser Josef II., der damit dem deutschen Singspiel zu mehr Renommee verhelfen wollte. Weil der Musikanteil in Mozarts Einakter mit rund 20 Minuten verhältnismäßig gering ist, brachte er in konsequent gestraffter Form die Handlungsinhalte in eine treffende musikalische Ausgestaltung: Die Nöte eines Schauspieldirektors, der mit knappen wirtschaftlichen Mitteln eine Darstellergruppe zusammenstellen muss, sich zugleich deren Rivalitätskämpfen und Star-Allüren ausgesetzt sieht, sind in diesem Werk treffend musikalisch »illustriert«.

Im Vorspiel des Ruperti-Orchesters genossen die k1-Gäste Mozarts musikalischen Sinn für Humor und waren zugleich optimal vorbereitet für das anspruchsvolle Klavierkonzert Nr. 21 in C-Dur KV 467, für das man den Traunreuter Pianisten Thomas Hartmann als Solisten gewinnen konnte. Auch dieses Werk Mozarts, welches er im Frühjahr 1785 innerhalb von vier Wochen komponiert hat, ist von heiterem und stimmungsaufhellendem Charakter.

In festlich strahlendem C-Dur weckt der Kopfsatz mit einem punktierten Marschthema Frühlingsgefühle, jubilierend sprudelnd erhellt der Finalsatz die Stimmung der Zuhörer und dazwischen leistet sich Mozart einen traumhaften Moment nachdenklichen Innehaltens: Die Andante(-«Romance«), welche als Filmmusik ungeheure Popularität erlangt hat. Sie stürzt den Hörer in romantisches Schwelgen, wirkt auf ihn äußerst inspirativ und scheint sich – einmal gehört – unvergessen in seinem musikalischen Gedächtnis einzunisten. Eine musikalische Glückspille, die süchtig macht. Das Ruperti-Orchester reichte sie, ausdrucksstark interpretiert von dem erstklassigen Pianisten Thomas Hartmann, im richtigen Tempo weiter und salbte die Gehörgänge der Zuhörer.

Vor der Pause spielte Hartmann noch eine erst zwei Wochen alte Eigenkomposition für Klavier: Die »Paganini Variation« sei, so Hartmann, ein Crossover aus Klassik und Jazz, »a guads Durcheinand«, wie er sie selbst umschrieb. Unfassbar, wie viele Noten man in so kurzer Zeit spielen kann, die immer richtigen Tasten trifft, ohne dabei den Spaßfaktor zu vernachlässigen. Ein schwindelerregendes Hörvergnügen, spektakulär anzusehen – die zweite Glückspille des abwechslungsreichen Konzertprogramms.

Der zweite Konzertteil war mit Edvard Griegs »Peer Gynt-Suite« ausgefüllt, einem der bekanntesten Orchesterstücke der romantischen Musik. Auf Wunsch des Dichters Henrik Ibsen hatte Grieg 1876 zu dem auf einem norwegischen Märchen basierenden Schauspiel die dazu passende Musik komponiert, die in einer Bearbeitung von Gerhard Buchner im k1 zu Gehör kam. Sie umfasst neun Sätze. Grob umrissen erzählt das Märchen die abenteuerliche Reise des Tagträumers Peer Gynt zu seinem eigenen Ich, die Geschichte einer inneren Reifung.

Ein »Nordischer Faust« in brillanter musikalischer Umsetzung, lebendig in alle Gefühlsfacetten transferiert.
Eine Glanzleistung aller Beteiligten bescherte den Zuhörern die musikalisch-literarische Glückspille Nummer drei.
Ein gelungener Abend, bei dem Musik Bilder schuf und Texte Fantasien beflügelten. Zum Dank, last but not least auch an den schaffenstüchtigen Leiter und Dirigenten Richard Kalahur, gab es einen Riesenapplaus und große Vorfreude auf die kommenden Konzerte des Ruperti-Orchesters. Kirsten Benekam


Quelle: Traunsteiner Tagblatt